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    Museen im Appenzellerland Award Museum für Lebensgeschichten
Unterstützt durch die Kulturförderung des Kantons Appenzell Ausserrhoden

So lebendig wie das Leben

Erinnerungen versickern im Dunkel der Vergangenheit, wenn sie nur in Köpfen oder Seelen aufbewahrt sind. Sie müssen erzählt und weitererzählt werden, auf diese Weise ein Eigenleben führen, unsere Gegenwart bereichern und vielleicht sogar den Weg in die Zukunft durch weitergegebene Erfahrungen erleichtern. Nun ist die Zeit, in welcher man sich unter der Sippe oder der Nachbarschaft beim Fädeln im Webkeller oder Schnitzen von Kienspänen traf, um sich Geschichten aus dem Leben der Ahnen zu erzählen, längst vorbei. Die Sippen sind zu Kleinfamilien geworden, die Nachbarn kennt man kaum und abends lässt man sich von den Medien über Gegenwärtiges aus allen Kontinenten orientieren. Zwar gibt es Archive und Bibliotheken, die eine Art kollektiven Gedächtnisses bilden, aber wer geht schon hin und taucht in die Bestände ein?

Dabei wäre das Eintauchen in die Vergangenheit so lohnend. Je schnelllebiger die Zeit wird, je rascher die Technisierung aller Lebensbereiche voranschreitet und je kleiner die Distanzen auf dem Globus werden, desto weniger kann man sich vorstellen, unter welchen Umständen die Menschen in unserer Gegend noch vor Kurzem, nur vor wenigen Jahrzehnten, ihr Leben verbracht haben. Würde dieser Vorstellung nachgeholfen, so könnte man sich vielleicht eher bewusst werden, welche Privilegien wir durch den Komfort und die Mobilität geniessen. Entbehrungen, Krankheiten und Katastrophen würden durch die Kenntnis über das Schicksal der Vorfahren relativiert und vielleicht würde man sogar an die Beurteilung mancher gegenwärtigen Errungenschaften andere Massstäbe setzen.

Dazu leistet das Museum für Lebensgeschichten im Hof Speicher einen Beitrag. Es werden die Lebensgeschichten ganz konkreter Personen gesammelt, aufbereitet und im Rahmen von Ausstellungen, Vorträgen und Gesprächen bekannt gemacht. Dabei handelt es sich um das Leben bekannter Persönlichkeiten unserer Region, von denen man aus der Geschichte vielleicht den Namen oder die Leistungen kennt, aber nichts über die Umstände weiss, unter denen solche Leistungen erbrachtworden sind. Ebenso sehr werden aber auch die Lebensgeschichten einfacher Menschen jeglicher Bildung und jeglicher gesellschaftlicher Stellung vor der Vergessenheit bewahrt, weil gerade am Beispie des Lebens von «gewöhnlichen» Menschen erfahren werden kann, wie die äusseren Umstände waren, unter denen zu bestimmten Zeiten unserer jüngeren Geschichte gelebt wurde. Und wo wäre das «Reservoirs» an solchen Geschichten grösser als im Hof Speicher, wo viele ältere Menschen zusammenleben.

So ist es denn eine Aufgabe der Museumsleitung, den Bewohnern des Hof Speicher ihre Lebensgeschichten zu entlocken und mit ihrer Zustimmung auch im Ausstellungsbereich erfahrbar bzw. sichtbar zu machen. Die Vergangenheit wird dadurch so lebendig wie das Leben selbst.

Meilensteine

  • 2005 Gründung des Trägervereins «Museum für Lebensgeschichten»
  • 2006 Eröffnung des Museums mit einer Ausstellung zum Maler Hans Krüsi
  • 2009 Verleihung des «Special Commendation», der zweithöchsten Auszeichnung, anlässlich des «European Museum of the Year Award» in Bursa